Lichterketten-Wahnsinn

Es geht wieder los. Die Nachbarn rüsten auf. Es begann unscheinbar mit ein paar Adventskerzen. Inzwischen sind Deutschlands Häuserfassaden zugenagelt  – mit Lichterketten. Und sie werden jedes Jahr bunter, greller und – sofern aus China importiert – blinkiger. Keine guten Zeiten für Menschen, die unter Epilepsie leiden…

 

In der Weihnachtszeit leuchten in Deutschland mehr Lämpchen in und an unseren Behausungen als wir Sterne am Himmel zählen können: 17 Milliarden. Mehr als das Doppelte der Weltbevölkerung. Allerdings – abhängig vom Deko-Wahn des Bewohners – sehr ungleich verteilt. Stellenweise und bei exzessiven Beispielen, wie auf unseren Fotos zu sehen, ist die Lichtverschmutzung so hoch, dass man gar keine Sterne mehr sieht.

 

Wie gut, dass die kaltbrennende LED-Leuchte erfunden wurde. Denn sonst würden bei klassischer Wolframsfadenbeleuchtung die eh schon spärlich herunterfallenden Schneeflocken schon in der Luft ihren Aggregatzustand ändern und den Boden gar nicht erst erreichen. Tod durch Hitzschlag. Quasi. Falls Sie sich gewundert haben, warum wir zuletzt so selten weiße Weihnachten hatten. Jetzt wissen Sie es. Mit den LEDs hat Neuschnee endlich wieder eine Chance. 71 Prozent der Deutschen verwenden ausschließlich oder hauptsächlich LED-Lampen.

 

So richtig sparsam ist die Adventsbeleuchtung dennoch nicht. Das Lichterkettengefunzel verbraucht während der Weihnachtszeit circa 480 Millionen Kilowattstunden. Das entspricht in etwa dem Verbrauch von Fluchtlichtanlagen in 13.000 in Fußballstadien. Rechnen Sie einmal hoch, wie viel Bundesliga-Spiele mit dieser Energie beleuchtet werden könnten. Ein Atomkraftwerk muss immerhin 20 Tage lang laufen, um den nötigen Strom für die Weihnachtsbeleuchtung zu produzieren. Kosten: etwa 190 Millionen Euro sowie 390.000 Tonnen Kohlendioxid. Aber wer will sich deswegen ernsthaft sein Weihnachtsfest versauen lassen?

 

Noch einmal zurück zu den Nachbarn. Der Konkurrenzkampf hat inzwischen eine neue Dimension erreicht: „Wer lässt seine Weihnachtsbeleuchtung am längsten an?“. Manche machen ihn inzwischen gar nicht mehr aus.

Ist Weihnachten also der eigentliche Klimakiller? Offenbar nicht. Laut dem Energieunternehmen Eon sinkt der Stromverbrauch in der Adventszeit dank sparsameren und effizienteren Technologien seit Jahren kontinuierlich. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) hat errechnet, dass LED-Beleuchtung im besten Fall nur zehn Prozent des Stroms verbraucht, den alte Lichterketten fraßen. Heißt: Deko-Alarm ist moralisch vertretbar.

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